Zeugnissprache! Alle Zeugnisformulierungen zum Zeugniscode: Noten 1-6

Jeder Arbeitnehmer, der aus einem Unternehmen ausscheidet, hat das Recht auf ein

Bildquelle/-rechte: sxc.hu

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Arbeitszeugnis. Dieses Arbeitszeugnis muss laut Gesetz wohlwollend formuliert sein und soll dem Arbeitnehmer als Referenz dienen, um ihn damit an einen zukünftigen Arbeitgeber zu empfehlen. Doch dieses „Wohlwollen“ in der Zeugnissprache ist längst zu einem dehnbaren Begriff geworden und es hat sich eine Art universeller Zeugniscode herausgebildet, der es erlaubt, auch mit scheinbar positiven Zeugnisformulierungen die ein oder andere Beanstandung zum Ausdruck bringen. Im Folgenden deshalb eine Übersicht über die Zeugnissprache Noten – und die entsprechenden Zeugnisformulierungen zu den Noten 1 bis 6:

Note 1 – Sehr Gut

  • „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“
  • „jederzeit zu unserer vollsten Zufriedenheit“
  • „die Leistungen haben immer und in jeder Hinsicht unsere volle Anerkennung gefunden“
  • „ein sehr hilfsbereiter Mitarbeiter“
  • „in höchstem Maße zuverlässig/engagiert/etc.“
  • „erzielte herausragende Ergebnisse“
  • „erledigte zugeteilte Aufgaben stets selbstständig und mit äußerster Sorgfalt“
  • „aufgrund seines kollegialen Haltung bei Vorgesetzten und Mitarbeitern sehr geschätzt“
  • „überzeugte und motivierte seine Mitarbeiter immer in allerbester Weise“
  • „konnte vereinbarte Ziele auch unter schwierigsten Bedingungen erreichen und meist noch übertreffen“
  • „jederzeit hochmotiviert“
  • „außergewöhnliches Engagement“
  • „brachte sich stets mit neuen Ideen ein“
  • „fand optimale Lösungen“
  • „hervorragende und fundierte Fachkenntnisse“
  • „konnte neue Situationen stets sehr gut und sicher meistern“

Note 2 – Gut

  • „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“
  • „jederzeit zu unserer vollen Zufriedenheit“
  • „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ (ohne stets)
  • „stets zuverlässig und gewissenhaft“
  • „hatte neue Ideen“
  • „umfassende Fachkenntnisse“
  • „konnte Aufgaben stets selbstständig mit großer Sorgfalt und Genauigkeit erledigen“
  • „überdurchschnittliche Arbeitsqualität“
  • „einwandfreies Verhältnis zu Kunden, Mitarbeitern und Vorgesetzten“
  • „engagiertes Team-Mitglied“
  • „ein hilfsbereiter Mitarbeiter“
  • „hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen“
  • „förderte die Zusammenarbeit“
  • „regte Weiterbildungen an, delegierte Aufgaben und Verantwortung, um so ein hohes Abteilungsergebnis zu erreichen“


Note 3 – Befriedigend

  • „zu unserer vollen Zufriedenheit“
  • „stets zu unserer Zufriedenheit“ (ohne voll)
  • „hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen“
  • „verantwortungsbewusst“
  • „gute Zusammenarbeit mit Mitarbeitern und Vorgesetzten“
  • „systematische Herangehensweise an zugeteilte Arbeiten“
  • „gewissenhaft und zuverlässig“
  • „zielbewusste Mitarbeiterführung“
  • „vorbildliches Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten“
  • „mit Engagement und Initiative“
  • „solide Fachkenntnisse“
  • „fand sich in neuen Situationen zurecht“
  • „konnte vereinbarte Ziele erreichen“

Note 4 – Ausreichend

  • „zu unser Zufriedenheit“
  • „hat unseren Erwartungen entsprochen“
  • „ohne Unsicherheiten Aufgaben ausgeführt“
  • „entsprach den Anforderungen“
  • „Verhalten gegenüber Mitarbeitern war vorbildlich“
  • „persönliches Verhalten insgesamt einwandfrei“
  • „konnte befriedigende Ergebnisse erzielen“
  • „Zusammenarbeit verlief meist reibungslos“
  • „mit Sorgfalt und Genauigkeit“
  • „bewältigt“
  • „verfügte über ein solides Basiswissen“

Note 5 – Mangelhaft

  • „hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden“
  • „im Großen und Ganzen die Erwartungen erfüllt“
  • „entsprach im Allgemeinen den Anforderungen“
  • „bemüht“
  • „hatte Gelegenheit, die in er Abteilung zu erledigenden Aufgaben kennenzulernen“
  • „war meist erfolgreich“
  • „mit großem Fleiß und Interesse“
  • „zeigte nach Anleitung Fleiß“
  • „stets um ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten bemüht“
  • „im Wesentlichen“
  • „im Allgemeinen“
  • „Unsicherheiten“
  • „mit Unterstützung“
  • „nach Anleitung“

Note 6 – Ungenügend

  • „entsprach meistens den Anforderungen“
  • „bemüht“
  • „meistens bemüht“
  • „Arbeitsqualität entsprach meistens den Anforderungen“
  • „bestrebt, sich neuen Situationen anzupassen
  • „zeigte Verständnis und Interesse“
  • „gab klare Anweisungen“
  • „versucht“
  • „bestrebt“
  • „er hatte zu seinen Mitarbeitern ein weit besseres Verhältnis als zu seinen Vorgesetzten“
  • „Für die Belange der Belegschaft bewies er/sie immer Einfühlungsvermögen“
  • „gesundes Selbstvertrauen“
  • „Engagement für Arbeitnehmerintererssen außerhalb der Firma“
  • „gesellige Art zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen“

Vieldeutige Zeugnissprache Formulierungen

Es ist also schnell zu erkennen, dass ein Arbeitszeugnis nicht immer das bedeutet, was die Zeugnisformulierungen auszusagen scheinen. Tatsächlich haben sich in der Vergangenheit einige Zeugniscodes entwickelt, die in der Zeugnissprache auf Verhalten hindeuten können, so kann etwa versteckt mitgeteilt werden, dass der Arbeitnehmer Mitglied im Betriebsrat oder einer Gewerkschaft war/ist – offen ausgesprochen dürften solche Sachverhalte im Arbeitszeugnis hingegen nicht werden. Die Zeugnissprache Noten setzen sich somit immer verklausulierten Formulierungen zusammen. Wichtiger Hinweis: Die Zeugnissprache Formulierungen „stets“ und „vollsten“ stehen in der Regel für eine Sehr Gute bis Gute Bewertung.

Die wichtigsten Regeln in der Zeugnissprache

Beim Erstellen eines Arbeitszeugnis ist – noch vor der Wahl der passenden Zeugnisformulierungen – auf Einiges zu achten. So hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein wahrheitsgemäßes, wohlwollendes und vollständiges Arbeitszeugnis. Dabei muss beachtet werden, dass das Zeugnis alle wesentlichen Tatsachen enthält – wird hingegen eine Tatsache bewusst oder versehentlich ausgelassen, ist hier von „beredtem Schweigen“ die Rede. Dieses beredte Schweigen kann ein Mittel sein, um dem zukünftigen Arbeitgeber einen Hinweis darauf zu geben, dass der Arbeitnehmer einem Anspruch in keinster Weise gerecht werden konnte. Wird zum Beispiel nur von Fleiß und Ehrlichkeit, nicht aber von Pünktlichkeit gesprochen, kann das ein Hinweis darauf sein, dass der Arbeitnehmer ständig zu spät zur Arbeit kam.

In der Zeugnissprache ist zudem immer auf eine wohlwollende Zeugnisformulierung zu achten – aus diesem Grund wirken die Zeugnissprache Noten auf den ersten Blick immer sehr positiv. Dabei kommt es hier auf die Wortwahl und etwaige Zusätze oder Auslassungen an, die trotz eines positiven Anmutens auf Mängel und Unzufriedenheit mit dem Arbeitnehmer hindeuten können.

Doppeldeutige Ausdrücke treten aus diesem Grund häufig in Arbeitszeugnissen auf – werden von den Gerichten im Falle einer Anzweiflungs-Klage jedoch in der Regel als nicht zulässige Formulierungen in der Zeugnissprache betrachtet. Auch aus diesem Grund haben sich bestimmte Zeugniscodes entwickelt.